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Ghettoisierung in Deutschland – Gefahr erkannt – Gefahr gebannt?

In der Berufsschule musste jeder von uns zu einem Thema eine Hausarbeit und eine Präsentation anfertigen. Ich habe mich für das Thema “Ghettoisierung in Deutschland” entschieden. Wie ich finde, ist es ein ernstes Thema, das uns alle angeht! Aus dem Grund stelle ich mein Handout zu dem Thema zur Verfügung. Das Beitragsbild zeigt eine “Gated Community” in Berlin. Was das ist, werde ich später erläutern. Wie immer viel Spaß beim Lesen und #stayclassy!

Ghettoisierung kommt von dem Wort Ghetto, mit welchem man abgesonderte Wohnviertel bezeichnet. Das Wort ist hauptsächlich negativ besetzt, wobei eine „Gated Community“ in der sich wohlhabende Abschotten eigentlich nichts anderes ist. Lange vor und während des 2. Weltkriegs wurde Juden ein Ghetto oder eine Judengasse als Lebensraum zugewiesen. Damals wurden die Leute also bewusst von der Gesellschaft abgesondert.

Nach dem Krieg trat das Phänomen des Ghettos wieder vermehrt während der 60er und 70er Jahre auf. Als Gastarbeiter aus der Türkei, Italien und vielen weiteren Ländern nach Deutschland geholt wurden, bekamen diese einen Lager-/ oder Heimplatz zugewiesen. Sie wurden auch gezielt ausgegrenzt. Die Zustände dort sind alles andere als rein zu bezeichnen. Nachdem sie auszogen, bekamen sie hauptsächlich Wohnungen in den Altstädten, woanders wollte man sie nicht haben. Es bildeten sich erste Ausländerviertel. Von den Kommunen und Städten wurde das bewusst in Kauf genommen.

Heutzutage misst man dem Problem der fortschreitenden Ghettoisierung in urbanen Gebieten einen immer größeren Stellenwert bei. Thilo Sarrazin hat in seinem polarisierenden Werk „Deutschland schafft sich ab“ Berlin-Neukölln als Beispiel genannt. Dort – so seiner Meinung nach, sondern sich „Ausländer“ gezielt von der Gesellschaft ab und bilden sogenannte Parallelgesellschaften. Dieses Phänomen findet sich in vielen Großstädten wieder. Dadurch integrieren sich die Leute nicht. Sie lernen weder die Sprache, passen sich der Kultur an und finden so nur schwer oder gar keinen Job. Einher gehen Gewalt – schon im Jugendalter – Perspektivlosigkeit und Abhängigkeit vom Staat. Ist man in diesem Kreislauf erst einmal drin, dann kommt man dort schwer wieder raus. Den Kindern im Ghetto wird nicht anderes vorgelebt, denn sie haben keine Vorbilder.

Wenn man in das Thema tiefer eintaucht, dann fällt einem auf, dass es keinesfalls nur um „Ausländer“ – die hauptsächlich Deutsche sind – oder deren schlechte Integration geht, sondern auch den Mietspiegel. In Deutschen Großstädten wie München, Berlin, Hamburg bekommt man nur sehr schwer bezahlbaren Wohnraum. Als Hartz 4-Empfänger ist das quasi unmöglich. Es werden viele Wohnungen Jahr für Jahr geschaffen, allerdings im Luxussektor. Aus dem Grund werden die Ärmeren unserer Gesellschaft an den Stadtrand gedrängt. Natürlich ist so die Bildung eines Ghettos vorprogrammiert, da man nun mit seinesgleichen Tür an Tür wohnt. So verwahrlosen einige Stadtteile. Man kann es getrost als Teufelskreis bezeichnen.

Um den Ärmeren unserer Gesellschaft bezahlbares Wohnen zu ermöglichen gibt es den Sozialen Wohnungsbau. Die Mieten sind günstiger als bei vergleichbaren Objekten. Vergeben werden diese Wohnungen an Sozial Schwache. Laut Schätzungen sind aber ca. 50 % aller Sozialbauwohnungen fehlbelegt. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass sie von Leuten mit zu hohem Einkommen bewohnt werden. Im Manager-Magazin wird empfohlen, dass man die Vergabe optimieren sollte, somit also den richtigen Leuten geholfen werde. Um eine schnelle Lösung herbeizuführen, könnte man außerdem kurzfristig einen Mietausgleich zahlen, damit man seine „individuelle Lage“ klären kann. Denn Arbeitslosigkeit sollte kein Dauerzustand sein.

Wie man sieht, ist die Ghettoisierung ein großes Thema und mit vielen sozialpolitischen Themen verworren. In Deutschland hat man die Gefahr so langsam erkannt. Dennoch wird zu häufig von Ausländervierteln berichtet und das ganze Thema von den Medien sehr polarisierend dargestellt. In der Politik sind Themen wie Mietpreisbremse oder Sozialer Wohnungsbau angekommen. Auch die Gesellschaft meldet sich mit Demos und Kundgebungen zu Wort. Nichts desto trotz ist jeder selbst gefordert sich in unserer Gesellschaft anzustrengen. Denn alles kann selbst der Staat nicht regeln.

Wer sich mehr für den Mietspiegel in Großstädten interessiert, der wird beim Manager-Magazin auf einer Interaktiven Karte fündig!

 

Quellen:

Beitragsbild: Prenzlauer Gärten in Berlin, das Foto ist von Konstantindegeer am 20. August 2008 aufgenommen und unter Creative Commons linzenziert. Das Bild stammt von Wikipedia. Hier geht es zum Originalbild.

Bezahlbarer Wohnraum fehlt trotz Baubooms – http://www.manager-magazin.de/immobilien/artikel/deutlich-mehr-wohnungen-genehmigt-bezahlbarer-wohnraum-fehlt-a-959052.html

Die überhastete Rückkehr des sozialen Wohnungsbaus – http://www.manager-magazin.de/finanzen/immobilien/a-880645.html

Wir und die Anderen – Die Konstruktion des Ausländerviertels – http://www.goethe.de/lhr/prj/daz/mag/igd/de2990514.htm

Deutschlands Ghetto – Berlin Neukölln – http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/deutschlands-ghetto-1.7604841

Wohnraum als Luxusgut? – http://news.immobilo.de/2010/03/18/2699-wohnraum-als-luxusgut-verbande-schlagen-alarm-beim-thema-wohnungsnot

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